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Das merowingerzeitliche Gräberfeld von Rommerskirchen-Eckum, Rhein-Kreis Neuss.

Restaurierung und wissenschaftliche Aufarbeitung.

In Rommerkirchen-Eckum wurde 2005 auf dem Areal eines Neubaugebietes ein bis dato völlig unbekannter merowingerzeitlicher Friedhof entdeckt. Auf einer Fläche von 1,6 ha konnten, in den bis 2007 andauernden Grabungskampagnen der Firma Archaeonet GbR und der Außenstelle Overath des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, mehr als 460 Bestattungen dokumentiert werden (Abb. 1).

Am Nordostrand des Gräberfeldes wurden zudem mehrere Pfostengruben erfasst, deren Anordnung zwei Bauten erkennen lässt. Nach einer vorläufigen Bestimmung des Fundmaterials setzt die Belegung des Friedhofs bereits in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts ein und endet im späten 7. Jahrhundert. In einem Gemeinschaftsprojekt der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie und des LVR-LandesMuseums Bonn erfolgen die Konservierung und zugleich die wissenschaftliche Aufnahme der Funde und Befunde. Die Ergebnisse sollen in der Dissertation von Nadine Baumann M.A., Römisch-Germanische Kommission, zusammengeführt werden.

Die Fundmenge – mehr als 6000 Fundzettel wurden vergeben - macht eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten erforderlich. Ein Teil der Funde bzw. ganze Fundkomplexe wurden aufgrund des fragilen Zustandes als Blöcke geborgen. Dies betrifft zumeist Metalle, aber auch organische Reste in Verbindung mit Metall (z. B. Spathae, Tascheninhalte) und durch die Lagerung im Boden stark abgebaute Funde (z. B. Knochenkämme, Bronzebecken). Die Grabausstattungen bestanden in der Regel aus persönlichen Gegenständen und „echten“ Beigaben, deren chronologische Ansprache aufgrund des derzeitigen Bearbeitungsstandes noch erheblichen Einschränkungen unterliegt. Dies gilt insbesondere für Fundstücke aus Eisen, ferner Kupferlegierungen und Edelmetallen, die vornehmlich in Erdblöcken geborgen wurden.

Digitale Röntgenaufnahmen unterstützen Restaurator und Wissenschaftler bei der Beurteilung verschiedener Kriterien, wie dem Erhaltungszustand, der Komplexität des Befundes (z. B. organische Reste) und der musealen Bedeutung, anhand derer individuelle Strategien für die weitere Bearbeitung der einzelnen Blöcke abgestimmt werden. Trifft keines der Dringlichkeitsmerkmale zu und sind von einer Blocköffnung keine weitergehenden wissenschaftlichen Aussagen zu erwarten, wird von einer Freilegung des Fundes zunächst abgesehen und dieser auf der Grundlage des Röntgenbildes beschrieben und umgezeichnet. Wird hingegen die Öffnung eines Blockes priorisiert, erfolgt die partielle und / oder vollständige Freilegung und Dokumentation in mehreren Plana sowie die Probenentnahme organischer Reste in den Restaurierungswerkstätten des LVR-LandesMuseums Bonn (Abb. 2–4).

Literatur

  • Martha Aeissen / Marcel el-Kassem / Jacqueline Klemet / Ulrike Müssemeier, Fränkische Gräberfelder im Rheinland. In: Thomas Otten (Hrsg.), Fundgeschichten – Archäologie in Nordrhein-Westfalen (Mainz 2010) 186–192.
  • Martha Aeissen / Ulrike Müssemeier, Ein neues merowingerzeitliches Gräberfeld bei Eckum. Archäologie im Rheinland 2007, 122–124.
  • Holger Becker / Elisabeth Heinrich / Elke Nieveler, Dokumentation in situ geborgener Objekte mithilfe von Röntgentechnik. Restaurierung und Archäologie 2, 2009, 123–131.

Förderung

Das Denkmalförderprogramm des Ministeriums für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen fördert die Restaurierungsarbeiten mit einer Stelle für eine/n Restaurator/in.

Projektleitung

Prof. Dr. Jan Bemmann, Prof. Dr. Michael Schmauder (LVR-LandesMuseum)

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

Holger Becker, Ute Knipprath, Dipl.-Rest. Beate Steiger-Nawarotzky, Dipl.-Rest. Daniela Straub (LVR-LandesMuseum Bonn) und Nadine Baumann M.A. (Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts)

 

Abbildungen

Abb. 1. Vorläufiger Gesamtplan des merowingerzeitlichen Gräberfeldes von Rommerskirchen-Eckum (Grafik: U. Müssemeier, H.-J. Lauffer/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland).

 

 

Abb. 2. Mit viel Fingerspitzengefühl legt die Restauratorin Frau Straub ein im Block geborgenes Messer unter dem Binokular frei (J. Vogel/LVR-LandesMuseum Bonn).

 

Abb. 3. Die Granatscheibenfibel aus Stelle 407 wurde in mehreren Plana freigelegt und zeichnerisch dokumentiert (Zeichnung: D. Straub/LVR-LandesMuseum Bonn, N. Baumann/Römisch-Germanische Kommission).

 

Abb. 4. Die zahlreichen Granat- und Glaseinlagen der Scheibenfibel wurden sorgfältig fixiert und die Füllmasse für eine bessere Stabilisierung mit Paraloid B72 gefestigt (J. Vogel/LVR-LandesMuseum Bonn).

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