Sie sind hier: Startseite Forschung Europa aktuelle Projekte Rollenvorstellungen und Lebenswelten der Jüngeren Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit

Rollenvorstellungen und Lebenswelten der Jüngeren Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit

Dr. Doris Gutsmiedl-Schümann

Rollenvorstellungen und Lebenswelten von Männern und Frauen in der Jüngeren Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit Westskandinaviens nach archäologischen Zeugnissen


Innerhalb ihres sozialen Umfelds wird eine Person mit unterschiedlichen Rollenvorstellungen und Rollenerwartungen konfrontiert, je nachdem, mit wem bzw. welchem Gegenüber das Individuum im konkreten Fall interagiert. Beispiele für diese Rollenvorstellungen, die auf eine Person übertragen werden können, wären geschlechts- oder familienspezifische Rollen, arbeits- oder berufsspezifische Rollen, religiöse Rollen oder altersabhängige Rollen.

Die Lebenswelt einer Person steht und entsteht im Spannungsfeld der unterschiedlichen Rollenerwartungen, die das Individuum gegenüber der Gesellschaft zu erfüllen hat, den Freiräumen, die die einzelne Person bei der Ausgestaltung der ihr zugedachten sozialen Rollen hat, und dem Alltagsleben des Einzelnen, das vor allem durch wiederkehrende Tätigkeiten und Handlungsabläufe geprägt ist. Innerhalb dieses Spannungsfeldes werden in einem kommunikativen Prozess soziale Position und Lebenswelt einer Person bestimmt. Die soziale Position und die ihr innewohnenden unterschiedlichen sozialen Rollen werden in vielen Fällen durch äußere Zeichen, beispielsweise durch spezifische Kleidung oder das Tragen oder den Gebrauch bestimmter Gegenstände sichtbar gemacht. Damit lassen sie sich in der materiellen Kultur und im archäologischen Befund erfassen. Ziel des Projektes ist daher, Gräber und Grabausstattungen Westskandinaviens innerhalb eines Zeitraumes zwischen verschiedenen Regionen, und innerhalb einer Region zwischen verschiedenen Zeiträumen zu vergleichen, um so Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Repräsentation sozialer Rollen und der Lebenswelten der Menschen zunächst im Grab, und in einem zweiten Schritt dann auch in der zeitgleichen Siedlung herauszuarbeiten.


Hierzu werden beigabenführende Gräber der Jüngeren Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit aus Norwegen zeitlich und nach Regionen gegliedert quantitativen und qualitativen Grabanalysen unterzogen. Quantitative, mit statistischen Methoden durchgeführte Grabanalysen werden getrennt an Männer- und Frauengräbern durchgeführt. Sie dienen dazu, Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Untergruppen innerhalb einer Gruppe von Gräbern zu finden. Qualitative Grabanalysen hingegen haben das einzelne, gut ausgestattete und dokumentierte Grab im Blick. Vor dem Hintergrund der zuvor anhand von qualitativen Grabanalysen erzielten Ergebnisse sollen hier einzelne Grabfunde hinsichtlich ihrer Übereinstimmung und ihrer Abweichungen von den typischen Grabausstattungen ihrer Zeit und ihrer Region betrachtet und mit Blick auf die Lebenswelt der dem einzelnen Grab zuzuweisenden Person interpretiert werden.


Durch eine differenzierte Auswertung von Gräbern und Grabfunden werden typische Ausstattungsmuster von Männer- und Frauen, nach Regionen und Zeiten getrennt, herausgearbeitet. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden hinsichtlich ihrer Aussage zu Rollenvorstellungen und Lebenswelten von Männern und Frauen in der Jüngeren Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit Westskandinaviens ausgewertet. Auf diese Weise können typische Aspekte der Lebenswelten beider Geschlechter herausgearbeitet werden.

Projektleitung: Dr. Doris Gutsmiedl-Schümann (Forschungsstipendiatin der Fritz Thyssen Stiftung an der Abteilung für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn)

Artikelaktionen