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Untersuchungen zur Keramik des Molpír bei Smolenice

Der Molpír bei Smolenice

Die befestigte Höhensiedlung des Molpír bei Smolenice, Kreis Trnava, liegt im Südwesten der Slowakei und gehört zu den wichtigsten hallstattzeitlichen Höhensiedlungen in Mitteleuropa. Der Molpír liegt an verkehrsgeographisch günstiger Stelle auf der Ostseite der Kleinen Karpaten, südlich des Jablonica-Passes, der das Váh-(Waag)- mit dem Morava-(March)tal verbindet.

Die Höhensiedlung erstreckt sich über ca. 12 ha und besteht aus einer befestigten Oberburg und zwei weiteren umwallten Arealen, der ersten und zweiten Unterburg. Unter der Leitung von Mikuláš Dušek wurde diese Höhensiedlung zwischen 1963 und 1971 vom Archäologischen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften Nitra ausgegraben. Die Grabungen konzentrierten sich auf die Oberburg, über die Unterburgen ist bislang nur wenig bekannt.

 

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Funde

Das wichtigste Fundmaterial wurde in zwei Bänden von den Ausgräbern veröffentlicht (Dušek/Dušek 1984; dies. 1995). In Ihnen sind vor allem die Kleinfunde zu einem großen Teil der Öffentlichkeit bekannt gemacht worden; in Bezug auf die Baubefunde und die Keramik ist der Publikationsstand jedoch unzureichend. Die bekannten Kleinfunde lassen darauf schließen, dass der Molpír eine wichtige Stellung im überregionalen Kontext am Schnittpunkt verschiedener hallstattzeitlicher Kulturgruppen einnahm. Eine neue Bearbeitung verschiedener Fundgruppen bietet Einblicke in die Kommunikation zwischen unterschiedlichen hallstattzeitlichen Gruppen und die tiefgreifenden Veränderungen am Anfang der Jüngeren Hallstattzeit (Ha D1).

Abb. 3


Die befestigte Höhensiedlung Smolenice-Molpír (1) im Schnittpunkt des mitteldonauländischen, Lausitzer und reiternomadischen Kulturkreises. Kartierung bedeutender Höhen- (a) und Flachlandsiedlungen (c) sowie Brandgräberfelder (d) der Lausitzer Kultur und Körpergräber (e) der Mezöcsát-Gruppe in der späten Urnenfelderzeit (Ha B). Der Besiedlungsschwerpunkt der befestigten Höhensiedlungen (b) Smolenice-Molpír (1) und Prašník-Tlstá hora (2) fällt in die ältere Hallstattzeit (Ha C bis Ha D). Nach Stegmann-Rajtár 2005.

Aktuelle Arbeiten

Unter der Leitung von Prof. Dr. Biba Teržan (FU Berlin) hat sich in Zusammenarbeit mit Dr. Susanne Stegmann-Rajtár (SAW Nitra) 2001 am Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich um eine Auswertung der Altgrabungen bemüht, aus der bereits mehrere von Prof. Dr. Biba Teržan betreute Magister- und Doktorarbeiten entstanden sind. Die Arbeiten beziehen sich auf drei Bereiche: die Baubefunde, die Kleinfunde und die Keramik.

Bereits abgeschlossen ist die Analyse der Pfeilspitzen, die Anja Hellmuth (Freie Universität Berlin) im Rahmen ihrer Magisterarbeit neu vorlegte und kulturhistorisch einordnete (Hellmuth 2006). Die über 1000 Spinnwirtel werden in einer Dissertation „Die Entwicklung der Textilherstellung und Kleidung im nördlichem Donaugebiet vom Ende der Urgeschichte bis zum frühen Mittelalter“ („Vývoj výroby textilu a odevu od konca praveku po včasný stredovek“) von Tereza Belanová, Nitra, bearbeitet.

Ein Teil der Baufunde wurde von Sebastian Müller, M.A. (Freie Universität Berlin) in seiner Magisterarbeit „Smolenice-Molpír – Die eisenzeitlichen Befunde 61a, b und c“ aufgearbeitet. Diese Arbeiten führt er in seinem Dissertationsvorhaben „Vergleichende Studien zu ältereisenzeitlichen Siedlungen der Osthallstattkultur in der Slowakei. Smolenice-Molpir, Sered und Ratkovce“ fort. Dabei beschränkt sich Sebastian Müller aufgrund der Größe der Höhensiedlung auf ausgewählte Bereiche der Oberburg und vergleicht diese mit zwei Flachlandsiedlungen. Für die ausgewählten Schnitte arbeitet Müller auch sämtliche Funde auf, so dass die Anteile der Grob- und Feinkeramik ebenso sichtbar werden wie die Anteile der unterschiedlichen Waren. Auf diese Weise wird ein Korrektiv zu den älteren Publikationen von M. Dušek geschaffen.
 

Zur Keramik des Molpír bei Smolenice

Das Scherbenmaterial, welches in den 10 Jahren Grabung zu Tage kam, ist umfangreich und wird in ca. 1000 Kisten im Regionalmuseum von Trnava aufbewahrt. Nur wenige Stücke sind im Heimatmuseum in Smolenice zu sehen. Die Keramik wird von Dr. Susanne Stegmann-Rajtár (Nitra) und Dr. Ursula Brosseder (Bonn) bearbeitet. Aufgrund der Menge kann dies derzeit jedoch nur für eine Auswahl geschehen, die von den vollständig erhaltenen Gefäßen ausgeht und eine Auswahl der Feinkeramik einschließt. Für Siedlungsverhältnisse erstaunlich ist der große Anteil der Gefäße, die zur Gänze erhalten oder vollständig rekonstruierbar sind. Es handelt sich um etwa 500 Keramikgefäße, die Susanne Stegmann-Rajtár neu gezeichnet und dokumentiert hat. Ursula Brosseder hat weitere ca. 300 Gefäße der zerscherbten Feinkeramik zeichnerisch aufgenommen.

Abb. 4



Gemeinsam mit S. Müller wurden eine Typologie sowie eine Warendefinition erarbeitet.

Ziel der Arbeiten zur Keramik ist zum einen die typologische und zeitliche Bestimmung der Keramik. Da die bereits abgeschlossenen Untersuchungen von A. Hellmuth gezeigt haben, dass die Anfangs- und Enddatierung der Siedlung neu ermittelt werden muss, sind die chronologischen Untersuchungen zur Keramik ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Darüber hinaus sollen lokale Formen und Fremdformen identifiziert werden, die Aufschluss über die Kontakte der Bevölkerung des Molpír geben. Hier sind naturwissenschaftliche, v. a. chemische Untersuchungen angestrebt. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeiten von Ursula Brosseder liegt auf der Analyse der Ornamentik der Keramik, die Einsichten über regionale Besonderheiten und entferntere Kontakte geben werden (vgl. Brosseder 2004).

Keramik aus der Höhensiedlung vom Molpír (1 und 3) und Vergleichsfunde aus Kleinklein (2, nach C. Dobiat, Das hallstattzeitliche Gräberfeld von Kleinklein und seine Keramik [Graz 1980] Taf. 41,1) und Siebenbürgen (4, nach G. Marinescu, Die Jüngere Hallstattzeit in Nordostsiebenbürgen. Dacia 28, 1984, Abb. 5).

Literatur (Auswahl)

  • Brosseder 2004: U. Brosseder, Studien zur Ornamentik hallstattzeitlicher Keramik zwischen Rhônetal und Karpatenbecken. Universitätsforsch. Prähist. Arch. 106 (Bonn 2004).
  • Dušek/Dušek 1984: M. Dušek/S. Dušek, Smolenice-Molpír. Befestigter Fürstensitz der Hallstattzeit I. Mat. Arch. Slovaca 6 (Nitra 1984).
  • Dušek/Dušek 1995: M. Dušek/S. Dušek, Smolenice-Molpír. Befestigter Fürstensitz der Hallstattzeit II. Mat. Arch. Slovaca 13 (Nitra 1995).
  • Hellmuth 2006: A. Hellmuth, Pfeilspitzen. Untersuchungen zu den sogenannten skythischen Pfeilspitzen aus der befestigten Höhensiedlung von Smolenice-Molpír. Universitätsforsch. Prähist. Arch. 128 (Bonn 2006).
  • Parzinger/Stegmann-Rajtár 1988: H. Parzinger/S. Stegmann-Rajtár, Smolenice-Molpír und der Beginn der skythischen Sachkultur in der Südwest-Slowakei. Prähist. Zeitschr. 63, 1988, 162–178.
  • Stegmann-Rajtár 1992:, Spätbronze- und früheisenzeitliche Fundgruppen des mittleren Donaugebietes. Ber. RGK 73, 1992, 29–179.
  • Stegmann-Rajtár 1998: S. Stegmann-Rajtár, Spinnen und Weben in Smolenice-Molpír. Ein Beitrag zum wirtschaftlichen und religiös-kultischen Leben der Bewohner des hallstattzeitlichen Fürstensitzes. Slovenská Arch. 46, 1998, 263–268.
  • Stegmann-Rajtár 2005: RGA XXIX, 146–156 s. v. Smolenice (S. Stegmann-Rajtár).
  • Teržan 1990: B. Teržan, Starejša železna doba na Slovenskem Štajerskem. The Early Iron Age in Slovenian Styria. Kat. et Monogr. 25 (Ljubljana 1990).
  • Teržan 1998: B. Teržan, Auswirkungen des skythisch geprägten Kulturkreises auf die hallstattzeitlichen Kulturgruppen Pannoniens und des Ostalpenraumes. In: B. Hänsel/J. Machnik (Hrsg.), Das Karpatenbecken und die Osteuropäische Steppe. Prähist. Arch. Südosteuropa 12 (München, Rahden/Westf. 1998) 511–560.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Biba Teržan

Dr. Susanne Stegmann-Rajtár

Dr. Ursula Brosseder

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