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High Mountain Archaeology, Nepal

Corinne Pohl-Thiblet

Nepal-German-Project on High Mountain Archaeology: Teilprojekt "Garab-Dzong

  Zwischen 1992 und 1998 förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft unter dem Stichwort "Tibetischer Himalaya" ein Schwerpunktprogramm mit dem Thema "Siedlungsprozesse und Staatenbildungen im Tibetischen Himalaya". Dieses Forschungsprogramm, das in zwei Gebieten des Hohen Himalayas, nämlich Ladakh im nordwestlichen Indien und Mustang in Nepal, durchgeführt wurde, vereinigte Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen (Archäologie, Tibetologie, Sprachwissenschaft, Geographie, Geomorphologie, Bauforschung, Geodäsie und Kartographie, Archäozoologie und Dendrochronologie) aus verschiedenen deutschen, österreichischen und Schweizer Universitäten sowie des Deutschen Archäologischen Institutes (KAVA).

Das Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Bonn beteiligte sich von 1994-1998 an diesem Forschungsprogramm und widmete sich sich in Zusammenarbeit mit der Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie (KAVA) des Deutschen Archäologischen Institutes der "Archäologie der Burgen und befestigten Siedlungen" im Distrikt Mustang, Nepal.

Ausgangspunkt für das Institutsprojekt waren die hier mehrfach nachgewiesenen Befestigungen, die als Grenz- und Sperrburgen bzw. als Herrschaftszentren zu interpretieren sind. Die Bedeutung dieser Anlagen im Rahmen der mittelalterlichen und neuzeitlichen Besiedlungsgeschichte wird in dem Moment sichtbar, wenn man die historische Überlieferung mit in die Betrachtungen einbezieht. Vor der Eingliederung in den Staat der heute noch herrschenden Gorkha-Könige im Verlauf der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert bestand der tibetisch geprägte Nordwesten Nepals aus mehreren Kleinstaaten, die in einem über die Jahrhunderte wechselhaften Verhältnis zueinander standen. Beginnend mit der Zeit des großtibetischen Reiches des 7.–9. Jahrhunderts werden auf dem Gebiet des heutigen Mustangs die beiden Königreiche Lo und Se-Rib genannt, die im Verlauf ihrer mittelalterlichen und neuzeitlichen Geschichte immer wieder in unterschiedlicher Weise in ein kompliziertes Geflecht zwischenstaatlicher Beziehungen West-Tibets einbezogen worden sind. Perioden relativer Selbstständigkeit, von denen insbesondere die überregionale Bedeutung Lo's im 15. Jahrhundert erwähnenswert ist, sind dabei eher die Ausnahme. Sehr viel häufiger ist in den Quellen von Eroberungen und Einflußnahmen dieser Gebiete durch benachbarte Königreiche die Rede, in deren Zusammenhang auch ein Teil der Burgengründungen zu sehen ist. So werden etwa im Verlauf der Expansion des Königreiches von Gung-Thang während des 13. Jahrhunderts in ganz West-Tibet mehr als ein Dutzend solcher Gründungen erwähnt, unter denen sich auch Burgen im heutigen Mustang befinden. Eine weitere Periode des Burgenbaus im südlichen Mustang ist für die Zeit A-me-dpel's in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts überliefert, der als Ahnherr der heute noch herrschenden Dynastie von Mustang den Auftrag zur Gründung der Burgen von Kag, Dzong und Dzar im Muktinathtal gegeben hat. Daneben dienen die großen burgartigen Siedlungen auch als Herrschaftsmittelpunkte lokaler Fürstentümer. Deutlich wird dies insbesondere am Beispiel des Burgberges von Garab-Dzong, dessen befestigte Ansiedlung laut lokaler Überlieferung Mittelpunkt eines spätmittelalterlichen Königreiches mit dem Namen Sum oder Sumbo gewesen ist. und der Ausgangspunkt unserer siedlungsarchäologischen Untersuchungen war.

Der Burgberg von Garab-Dzong liegt nur wenige Kilometer südlich der Provinzhauptstadt Jomsom im Mündungsgebiet des Langbo-Kyung in den Kali-Gandaki und stellt die größte der befestigten Anlagen in Südmustang dar, die aufgrund ihrer Lage sowohl die Nord-Süd-Route durch das Kali-Gandaki Tal wie einen nach Osten über den Mesokanto-Paß führenden Weg nach Manang beherrscht. Die Siedlung selbst befindet sich auf einem Hügel, der durch Wasserläufe und Erosionsvorgänge aus den umgebenden Hochterrassen herausgeschnitten worden ist und nur über einen schmalen Sattel im Süden mit dem Hinterland verbunden ist. Der nach drei Seiten gut abzusichernde Hügel mit Hangneigungen von teilweise über 45º eignet sich somit hervorragend für eine fortifikatorisch ausgebaute Siedlung, von der sich umfangreiche Überreste auf dem Plateau und den Hängen erhalten haben. Diese war nach den obertägig noch sichtbaren Spuren durch mehrere Ringmauern gesichert.

Im Rahmen der Themenstellung des Schwerpunktprogrammes untersuchte das Bonner Institut die Besiedlungsgeschichte von Garab-Dzong und seinem Umland anhand archäologischer Quellen. Die Frage nach der Chronologie und Bildung von Herrschaftsmittelpunkten in einem Teilbereich des tibetischen Himalayas war dabei die maßgebliche Aufgabenstellung unseres Projektes. Neben Ausgrabungen auf dem Burgberg selbst wurden ab 1996 auch mehrere Siedlungen im Umland mittels kleinerer Sondagen erforscht, um die siedlungsgeschichtliche Reaktion des Umfeldes auf bestimmte Veränderungen im "Zentrum" analysieren zu können.

Literatur

  • E. Pohl/Ch. P. Tripathee, Excavation at Garab-Dzong. Preliminary report of the campaign 1994. In: Ancient Nepal. Journal of the Department of Archaeology 138, 1995, 95-106.
  • E. Pohl, Ausgrabungen in Garab-Dzong. Siedlungsarchäologische Untersuchungen einer Microregion im südlichen Mustang, Nepal. In: Archäologisches Nachrichtenblatt Band 1, Heft 4, 1996, 357-365.
  • E. Pohl/H. Roth, Archäologie im Hohen Himalaya. In: Plattform. Zeitschrift des Vereins für Pfahlbau und Heimatkunde e.V., Unteruhldingen 5/6, 1996/97, 2–11.
  • E. Pohl, Excavations at Garab-Dzong, Nepal. Report on the excavation campaigns 1994–1996. with contributions from: Angela von den Driesch, Henriette Manhart, Petra Maurer, Jussi Baade, Roland Mäusbacher, and Günther Wagner. In: AVA-Beiträge 17, 1997, 87-133
  • A.v.d. Driesch, H. Manhart und P. Maurer u. E. Pohl, Ritual Deposits at Garab-Dzong. In: Ancient Nepal. Journal of the Department of Archaeology 140, 53-64.
  • E. Pohl, Von der Salzstraße zur Trekkingroute. In: G. Graichen (Hrsg.), Schliemanns Erben III (Bergisch Gladbach 1999) 182-213.
  • C. Pohl-Thiblet u. E. Pohl, Dolpo – Ein siedlungsarchäologischer Survey im zentralen Himalaya. In: E. Pohl, U. Recker u. Cl. Theune (Hrsg.), Archäologisches Zellwerk. Beiträge zur Kulturgeschichte in Europa und Asien. Festschrift für Helmut Roth zum 60. Geburtstag. Internationale Arch., Studia Honoraria 16 (Rahden/Westf. 2001) 153-168.
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